Ehrenamt heißt bei uns: dazugehören

Ein persönlicher Jahresrückblick der Abteilungsleitung · Mai 2026

Commitment ist kein Versprechen. Es ist eine Entscheidung, die man jeden Tag neu trifft – auch wenn kein Wendepunkt in Sicht ist, auch wenn mehr Aufwand als Ertrag da ist, auch wenn niemand zuschaut. “

Wenn ich auf die vergangenen 12 Monate zurückschaue, sehe ich zunächst das, was sich zählen lässt: 12 Trainingsgruppen, zwei neue Kindergruppen für Einsteiger gestartet, Teil einer Kampfgemeinschaft in der Hamburg Liga, fast 300 Kinder bei unseren eigenen Turnieren, Kooperationen mit der Kindersportschule und einem Sportfest der Halepaghen-Schule, bei dem rund 200 Schülerinnen und Schüler Judo ausprobiert haben, Graduierungen quer durch alle Altersgruppen, Podestplätze, Qualifikationen für die Norddeutschen. Eine neue Website. Ein neues Logo, auf der Abteilungsversammlung vorgestellt, vom Vorstand begeistert aufgenommen. Mehr dazu bald hier auf unserer Website.

Das ist ein beeindruckendes Bild. Aber es ist nicht das, worüber ich in diesem Rückblick schreiben will.

Ich starte chronologisch: Im Juni 2025 übernahm ich gemeinsam mit Steffen Freimann die Abteilungsleitung. Was mich rückblickend am meisten beeindruckt: Alles hat funktioniert, nicht weil Strukturen perfekt waren, sondern weil Menschen einfach weitergemacht haben. Das gilt vor allem auch für das Trainerteam, verlässlich auch wenn jemand fehlt. Dafür bin ich dankbar.

Das klingt vielleicht wie eine Selbstverständlichkeit. Aber ich glaube, es ist heute alles andere als selbstverständlich. Vereine kämpfen um Freiwillige. Eltern sind beschäftigt. Jugendliche haben viele Optionen. Und trotzdem stehen bei jedem unserer Turniere Menschen auf und neben der Matte, nicht weil sie müssen, sondern weil sie dazugehören wollen. Weil dieser Sport etwas in ihnen angesprochen hat, das bleibt.

Judo verlangt Geduld, und genau darin liegt etwas Wertvolles, das viele andere Angebote nicht haben. Das sieht man bei uns auf allen Ebenen. Bei jungen Judoka, die beim Weihnachtsturnier erstmals als Kampfrichter eingesetzt wurden. Und bei Manuel Sonne als Vorbild, der zeigt, wohin das führen kann: Nach 16 Jahren als Kampfrichter hat er in diesem Jahr bei den Deutschen Meisterschaften in Potsdam die Prüfung zum Bundes-A-Kampfrichter bestanden, schriftlich mit voller Punktzahl, praktisch auf höchstem Niveau. Er gehört jetzt zu den rund 120 besten Kampfrichtern im deutschen Judo. Kein Ippon nach wenigen Sekunden. Einfach: immer wieder hingehen immer besser werden.

Ich denke auch an die Danprüfung, die wir im Auftrag des Hamburger Judo-Verbandes organisiert und abgenommen haben. Bewusst persönlich gestaltet, individuell ausgerichtet. Die Ernsthaftigkeit und die sehr guten Leistungen der Prüflinge waren spürbar. Dass der HJV uns diese Verantwortung überträgt, zeigt das Vertrauen, das wir uns über Jahre erarbeitet haben. 

Oder das Gasttraining mit Michael Scholz (5. Dan) vom Hamburger Judo-Verband. Die ganze Abteilung auf der Matte, gruppenübergreifend. Mitten im Training die Ehrung von Hans Cohrs zum 3. Dan, sorgfältig vorbereitet, für alle eine Überraschung. Hans macht seit über 50 Jahren Judo, war jahrzehntelang Abteilungsleiter beim BSV, hat sich für den Verband engagiert, Turniere und Lehrgänge ausgerichtet und viele junge Judoka begleitet. Noch heute steht er mit über 70 Jahren als Coach bei Turnieren auf der Matte. Seinen 2. Dan legte er 1989 ab. Die Ehrung war im höchsten Maße verdient. Das sind die Momente, für die man Judo macht.

Es läuft, weil Menschen zuverlässig da sind und den Blick nach außen nicht verlieren. Unsere Trainerin Corinna lebt derzeit im Ausland und trainiert dort in einem Judoclub mit. Großes Dojo, 30 Judokas, alle zusammen auf der Matte. Das inspiriert. So entstand das Konzept des Generationen-Randori bei uns: Jugendliche und Erwachsene trainieren gemeinsam. Erwachsene standen dafür schon um 18 Uhr auf der Matte, zu einer für sie ungewohnten Zeit. Es funktioniert und wird weiter ausgebaut.

Was wir daraus mitnehmen ist auch eine Richtung für 2026. Wir wollen wachsen und uns erneuern – aber strukturiert, nicht beliebig. Neue Mitglieder sollen gut ankommen und sich zugehörig fühlen, nicht einfach angemeldet sein. Den Übergang vom Jugend- in den Erwachsenenbereich wollen wir besser begleiten, weil dort zu viele verloren gehen. Jugendliche sollen nicht nur trainieren, sondern eine echte Perspektive im Verein haben. Wir werden weitere Jugendliche zu Assistenztrainern ausbilden. Nicht weil wir Personal brauchen, sondern weil wir an das glauben, was dabei passiert: Junge Menschen übernehmen Verantwortung, entdecken Führung, lernen sich selbst neu kennen. Der Wettkampfbereich wird gezielter: ein strukturierter Ansatz für Kinder und Jugendliche, die das wirklich wollen. Und die Erwachsenengruppen bleiben Schwerpunkt, mit verlässlichem Training und gemeinsamen Erlebnissen.

Wer früher Judo gemacht hat und es manchmal vermisst: Die Matte ist noch da. Wieder- und Quereinsteiger sind nicht die Ausnahme bei uns, sie gehören dazu. Der Wiedereinstieg ist selten so schwer, wie man befürchtet.

Wer sich fragt, ob Ehrenamt bei uns etwas für ihn ist: Wir suchen keine perfekten Trainer. Wir suchen Menschen, die verlässlich sind, die mitdenken wollen und Freude daran haben, andere wachsen zu sehen. Ein Beispiel dafür sind die beiden Väter in unserer Gruppe „Judo spielend lernen“, die als offizielle Übungsleiter die Gruppenleitung übernommen haben, unterstützt von Trainerassistentin Japneet. Eine feste Gruppe, seit zwei Jahren, die gut ankommt. Einsteiger jederzeit willkommen.

Ob als Judoka, als Elternteil oder als jemand der sich einbringen möchte – wir freuen uns auf euch. Probetraining, Termine und Kontakt auf unserer Website.


Andreas Lühning
Anteilungsleitung
Buxtehuder SV – Judo

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